Berlin 2011

DANKEN, FEIERN  und BETEN  -  21 Jahre deutsche Einheit

Gemeinsam für Berlin e.V., der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin und der Internationale Konvent luden am 3. Oktober zu einer interkulturellen und ökumenischen Feier der Deutschen Einheit ein.  Es begann mit einer ökumenischen Andacht, zusammen mit der katholischen kroatischen Gemeinde in der St.-Sebastian-Kirche im Wedding, also auf der Westseite der ehemaligen Mauer. Der kroatische Jugendchor sang. Pfarrer Axel Nehlsen hielt eine Ansprache zu Psalm 107. Es wurde in fünf  Sprachen gedankt und gebetet.

Anschließend zogen die Teilnehmer, begleitet von einer Bläsergruppe, mit Transparenten und Liftballons Danklieder singend zum Mauerstreifen an der Bernauer Straße und durch die neu gestaltete Gedenkstätte, also vom ehemaligen Westen in den ehemaligen Osten.

Ein kurzes Video darüber:http://www.youtube.com/watch?v=Wf_uWY6AmV0

In der Kapelle der Versöhnung erinnerte Pfarrer Manfred Fischer eindrücklich an die Opfer der Mauer und das Wunder ihres Falls 1989.

Über die Bernauer Straße und die Brunnenstraße ging der Zug zur Christus-Kirche in Berlin-Mitte im ehemaligen Ostteil der Stadt. Dort gab es zunächst einen bewegenden Filmausschnitt aus „Nikolaikirche“, der noch einmal die Dramatik der Zeit vor 21 und 22 Jahren vor Augen führte. „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

Die interkulturelle Formation WakeUp gab sodann ein Lobpreiskonzert. Das gemeinsame Danken, Feiern und Beten mündete ein in eine Zeit der Begegnung bei Essen und Trinken.

Frankfurt

3. Oktober 2011 in Frankfurt am Main

Bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen feierten die Christen in Frankfurt am Main unter dem spürbaren Segen Gottes den 3. Oktober 2011 mit sechs Veranstaltungen zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten.

Um die Mittagszeit veranstaltete die evangelische Allianz Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis christlicher Kirchen (ACK) in der Innenstadt einen Dankgottesdienst unter freiem Himmel. Pastoren und Pfarrer gestalteten diesen Gottesdienst mit und zwei Zeitzeugen liessen uns teilhaben an ihrer persönlichen Dankbarkeit über den friedlichen politischen Umbruch in Ostdeutschland 1989/90. Ein Posaunenchor mit Bläsern aus mehreren Gemeinden sorgte für den musikalischen Rahmen und viele Passanten blieben stehen, um spontan mitzusingen und sich in das Geschehen mit hineinnehmen zu lassen. Auch einige Ausländer nahmen diese Veranstaltung mit großem Interesse zur Kenntnis. Eine Spanierin liess sich von mir erklären, um was es geht und sagte mir, dass sie die Gegenwart Gottes spüren könne.

Am Nachmittag fanden in vier verschiedenen Innenstadt-Kirchen (u.a. im Dom) Gottesdienste statt, die von den Gemeinden zwar unterschiedlich gestaltetet wurden, jedoch unter dem gemeinsamen Bibelwort aus Jesaja 2, Vers 4 standen. Im Anschluss an die Gottesdienste gingen die Teilnehmer in Anlehnung an die Montagsgebete mit Kerzen in einem Sternmarsch auf den Frankfurter Römerberg, wo sich alle zu einem gemeinsamen Abschlussgottesdienst versammelten.

Dieser Gottesdienst wurde von verschiedenen Pastoren und Leitern aus der evangelischen Allianz, sowie Pfarrern der evangelischen und katholischen Landeskirche durchgeführt. Als Zeitzeugen hatten wir Markus Meckel, den Aussenminister der letzten DDR-Regierung, eingeladen, der allgemein und teilweise sehr persönlich von der Zeit der Wende berichtete. Anhand von Puzzle-Teilen der vier Besatzungszonen Deutschlands fanden wir uns im Anschluss in kleinen Gruppen zusammen, um für Deutschland zu beten. Auch ein Gebet unserer Oberbürgermeisterin sowie ein Fürbittegebet für die Einheit Koreas waren Teil des Gottesdienstes, der von einem koreanischen Chor musikalisch begleitet wurde.

Wir sind sehr dankbar für diesen gelungenen Tag, der nicht nur die Einheit der Christen in Frankfurt gestärkt hat sondern auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Chemnitz

Gebetstag am 3.Oktober 2011 in Chemnitz.

Seit Jahren finden jeweils am 3.Oktober in Chemnitz Gebetsveranstaltungen statt.
In diesem Jahr haben wir unter dem Dach des Missionsring Chemnitz (ein
stadtweites Pfarrer- und Leiternetzwerk) etwas Neues gewagt:

Ein überkonfessionelles Gebets- und Familienfest in der Innenstadt.
Das besondere war, dass sich 14 Gemeinden verschiedener Konfessionen bei der
Vorbereitung des Festes beteiligt haben. So wurde die Einheit unter den
Christen in Chemnitz auch ganz praktisch.
Neben Angeboten für Kinder und Gastronomie fanden 2 Bühnenprogramme statt.
Außerdem haben wir hörendes (und Heilungs-)Gebet für interessierte Passanten
angeboten, was sehr gern wahrgenommen wurde. Um 17 Uhr feierten wir ein
"Montagsgebet", bei dem etliche Gäste tief berührt waren. Wir hörten
Zeitzeugen, dankten Gott für das Wunder der friedlichen Revolution, zündeten
Kerzen an und beteten für unsere Stadt und Land.
Danach wurde noch viel geredet über alte Zeiten und Erfahrungen aus der
Wendezeit.

Lippstadt

Lichterprozession vor Nicolaikirche Foto: I. Salmen

Gekürzter Bericht aus der Lippstädter Zeitung "Der Patriot"

Nachdenklich und freudig, demütig und diskursiv: So haben rund 150 katholische und evangelische Christen am Montagabend in der Nicolaikirche einen Dankgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit gefeiert.
Organist Harduin Boeven verwob in einem instrumentalen Vorspiel die französische Marseillaise mit der DDR-Hymne und der deutschen Nationalhymne und führte zum „Großer Gott, wir loben dich“ hin. Darin bestehe die „Kernaussage“ des ganzen Abends, kommentierte Diakonin Silvia Jöhring-Langert später.
Es dabei zu belassen, wäre jedoch eine verkürzte Darstellung eines vielstimmigen Gottesdienstes. Wie Gemeindereferent Bernward Beel für die katholischen Pfarreien darlegte, hätten Christen und Nicht-Christen mit den Montagsgebeten in der Leipziger Nikolaikirche und den daran anschließenden Montagsdemonstrationen einen wichtigen Beitrag zur friedlichen Revolution geleistet. „Wir wollen dieses Wunder nicht wiederholen, aber die Kraft der Friedensgebete wieder entdecken“, ergänzte Jöhring-Langert. „Wir Christen nehmen die Welt ins Gebet – dort, wo es nötig ist.“
…..

In der Tradition der Montagsgebete

Daraufhin verteilten sich die Christen auf drei Gruppen und erörterten, welche Wege der Linderung es geben könnte. Die Überlegungen mündeten in Fürbitten, in denen unter anderem der Wunsch nach mehr „gelebten Beziehungen“ zwischen alten und neuen Ländern und nach mehr aktiver Solidarität zum Ausdruck kam. Wie Franz von Assisi beteten die Gläubigen: „Mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“
Weil der 3. Oktober in diesem Jahr auf einen Montag fiel, hatten die Veranstalter (katholische und evangelische Kirche sowie evangelische Freikirchen) den Gottesdienst als „Montagsgebet in der Nicolaikirche“ deklariert. Das wirkt im historischen Vergleich reichlich überhöht, fanden doch die originalen Montagsgebete unter den Bedingungen einer Diktatur statt. Gleichwohl stand der Abend in dem Bemühen, gesellschaftliche Missstände anzusprechen, durchaus ein Stück weit in der Tradition des Leipziger Vorbilds. „Herr, gib uns deinen Frieden“, sangen die Gläubigen, als sie in einer Lichterprozession die Kirche verließen.

Aus der Bibel

Und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat.

 

Psalm 103,2

Thomas Küttler

Es mag sein, dass der 3. Oktober etwas schnell zum deutschen Nationalfeiertag gemacht worden ist, noch bevor er eine Tradition hätte bilden können. Aber wir brauchen diesen Tag, um uns unserer widergewonnenen Einheit als Volk zu freuen und zu erinnern.